Wenn Fernanda Lima morgens um sieben in die Kita „Sonnenblume“ kommt, warten oft schon die ersten Eltern mit ihren Kindern. Die 38-Jährige macht seit einem Jahr eine Ausbildung zur Erzieherin. In Brasilien war sie zwölf Jahre lang Grundschullehrerin. Als sie vor fünf Jahren mit ihrem Mann nach Deutschland kam, konnte sie in diesem Beruf nicht weiterarbeiten: Ihr Abschluss wurde hier nur teilweise anerkannt.
„Am Anfang war ich traurig“, erzählt sie. „Aber dann habe ich gemerkt, dass ich mit kleinen Kindern genauso gern arbeite.“ Zuerst hat sie zwei Jahre lang Deutsch gelernt, dann ein Praktikum in einer Kita gemacht. Die Leiterin war so zufrieden, dass sie Fernanda einen Ausbildungsplatz angeboten hat.
Die Ausbildung ist nicht leicht. An zwei Tagen pro Woche geht Fernanda zur Fachschule, an drei Tagen arbeitet sie in der Kita. Am schwierigsten sind für sie die Klausuren: „Die Fachwörter sind manchmal kompliziert, und beim Schreiben brauche ich länger als die anderen.“ Hilfe bekommt sie von einer Kollegin, die mit ihr einmal pro Woche die Texte aus dem Unterricht bespricht.
Viel sparen muss die Familie wegen der Ausbildung nicht, denn Fernanda bekommt schon ein Gehalt. Und ihre eigenen Kinder, neun und elf Jahre alt, sind stolz auf sie. „Meine Tochter fragt mich jeden Abend, was ich in der Schule gelernt habe“, sagt Fernanda und lacht. „Früher war es umgekehrt.“
In zwei Jahren möchte sie ihre Prüfung machen. Danach will sie in der Kita bleiben – vielleicht später als Gruppenleiterin.