Moderator: Herzlich willkommen zu unserer Sendung „Berufe mit Aussicht“. Heute ist Kerstin Vogt bei uns. Sie ist seit fünfzehn Jahren Försterin im Revier Eichenhang. Frau Vogt, viele stellen sich Ihren Beruf sehr romantisch vor: den ganzen Tag allein im Wald. Stimmt das?
Kerstin Vogt: Leider nur zum Teil. Ich bin zwar an den meisten Tagen draußen, aber mindestens ein Drittel meiner Arbeitszeit verbringe ich am Schreibtisch. Ich plane, welche Bäume gefällt werden, schreibe Berichte und beantworte jede Menge Mails.
Moderator: Wie sind Sie überhaupt zu diesem Beruf gekommen?
Kerstin Vogt: Eigentlich wollte ich Tierärztin werden. Nach dem Abitur habe ich aber ein Praktikum in einem Forstbetrieb gemacht, weil ich keinen Studienplatz bekommen hatte. Nach drei Monaten war mir klar: Das ist genau das Richtige für mich.
Moderator: Was hat sich in den fünfzehn Jahren am meisten verändert?
Kerstin Vogt: Ganz klar der Zustand des Waldes. Nach mehreren trockenen Sommern sind bei uns viele Fichten abgestorben. Früher haben wir vor allem daran gedacht, wie viel Holz wir verkaufen können. Heute geht es in erster Linie darum, den Wald für die Zukunft stabil zu machen.
Moderator: Und wie macht man einen Wald stabil?
Kerstin Vogt: Wir pflanzen keine reinen Fichtenwälder mehr, sondern mischen verschiedene Arten, zum Beispiel Eichen, Buchen und Douglasien. Wenn eine Art Probleme bekommt, bleiben die anderen stehen. Allerdings weiß niemand genau, welche Bäume in achtzig Jahren noch mit dem Klima zurechtkommen. Wir müssen also mit einer gewissen Unsicherheit leben.
Moderator: Sie haben auch viel mit Besuchern zu tun. Wie erleben Sie das?
Kerstin Vogt: In den letzten Jahren kommen deutlich mehr Menschen in den Wald, und das freut mich grundsätzlich. Problematisch wird es, wenn Leute mit dem Mountainbike quer durch junge Pflanzungen fahren oder ihre Hunde frei laufen lassen, während im Frühjahr die Rehe ihre Jungen bekommen.
Moderator: Greifen Sie dann ein?
Kerstin Vogt: Ja, aber ich setze lieber auf Gespräche als auf Strafen. Die meisten wissen einfach nicht, welchen Schaden sie anrichten. Einmal im Monat biete ich außerdem eine Führung an, bei der ich genau solche Dinge erkläre. Die ist kostenlos, und man muss sich nicht anmelden.
Moderator: Gibt es etwas, worauf Sie besonders stolz sind?
Kerstin Vogt: Vor einigen Jahren haben wir mit einer Grundschule ein Stück Wald gepflanzt. Jede Klasse hat ihre eigenen Bäume. Inzwischen sind die ersten Kinder schon Jugendliche, und manche kommen immer noch vorbei, um nachzusehen, wie groß ihre Bäume geworden sind.
Moderator: Würden Sie jungen Menschen Ihren Beruf empfehlen?
Kerstin Vogt: Auf jeden Fall, wenn sie gern draußen sind und mit Unsicherheit umgehen können. Man sollte aber wissen, dass man im Herbst und Winter oft bei Regen und Kälte unterwegs ist. Und reich wird man in diesem Beruf auch nicht.
Moderator: Zum Schluss: Was machen Sie selbst, wenn Sie frei haben?
Kerstin Vogt: Sie werden lachen: Ich gehe wandern. Allerdings am liebsten in den Bergen, wo ich nicht ständig an meine Arbeit denken muss.
Moderator: Frau Vogt, vielen Dank für das Gespräch.